Möblierte Wohnungen in Wien 2026: Warum Expats & Pendler mehr zahlen – und wie das den Marktwert steigert

Warum erzielen möblierte Wohnungen in Wien oft höhere Mieten und Marktwerte? Ein praxisnaher Leitfaden für Eigentümer zu Nachfrage, rechtlichen Rahmenbedingungen, Vermietungsmodellen und Best Practices – inklusive FAQ.

Michael Oladeinde 2026-01-15 Immobilienbewertung, Vermieten, Wohnen in Wien
Möblierte Wohnungen in Wien 2026: Warum Expats & Pendler mehr zahlen – und wie das den Marktwert steigert

für immorechner24.at · von Michael Oladeinde · Ver. 1.0 · 15.01.2026

Möblierte Wohnungen in Wien 2026: Warum Expats & Pendler mehr zahlen – und wie das den Marktwert steigert

Modern möblierte Wohnung in Wien – attraktiv für Expats und Pendler

Der Wiener Wohnungsmarkt erlebt einen Paradigmenwechsel. Während traditionelle Mietwohnungen oft monatelang leer stehen, sind möblierte Apartments binnen Tagen vermietet. Der Grund? Eine wachsende Zielgruppe internationaler Fachkräfte, die bereit ist, deutlich mehr zu zahlen – für den Komfort, sofort einziehen zu können.

Doch was bedeutet das für Eigentümer? Kann eine Möblierung tatsächlich den Marktwert steigern? Und worauf müssen Sie rechtlich achten?

💡 Schnellcheck: Möblierte Wohnungen erzielen in Wien durchschnittlich 20-35% höhere Mieten als unmöblierte Vergleichsobjekte. Bei professioneller Umsetzung kann dies den Ertragswert und damit auch den Verkehrswert der Immobilie signifikant erhöhen.
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Das Wichtigste auf einen Blick

Möblierte Wohnungen sind keine Nische mehr, sondern ein strategisches Instrument zur Wertsteigerung. Die richtige Ausstattung trifft auf zahlungskräftige Mieter, die Flexibilität höher bewerten als Eigengestaltung. Wer die Balance zwischen Investition, rechtlichen Vorgaben und Zielgruppenansprache findet, profitiert von stabileren Mieteinnahmen und einem attraktiveren Verkaufspreis.

Inhaltsverzeichnis

Warum die Nachfrage nach möblierten Wohnungen in Wien boomt

Wien ist nicht nur lebenswerteste Stadt der Welt, sondern auch Magnet für internationale Talente. Die UN-Organisationen, multinationale Konzerne und eine florierende Start-up-Szene ziehen jährlich Tausende Expats an. Parallel dazu pendeln immer mehr Fachkräfte aus den Bundesländern wochenweise nach Wien.

Beide Gruppen eint ein Bedürfnis: Sofort verfügbarer, vollausgestatteter Wohnraum. Die Alternative – Möbelkauf, Aufbau, späterer Wiederverkauf – ist für Kurz- bis Mittelfristmieter (6-24 Monate) wirtschaftlich und organisatorisch unattraktiv.

Die Zahlen sprechen für sich

Laut aktuellen Marktanalysen:

  • Suchanfragen nach "möblierte Wohnung Wien" sind seit 2022 um 47% gestiegen
  • Die durchschnittliche Vermietungsdauer hat sich von 6-8 Wochen auf 10-14 Tage verkürzt
  • Leerstandsquoten liegen bei professionell möblierten Objekten unter 3% (vs. 8-12% bei unmöblierten)
Stilvoll eingerichtetes Wohnzimmer in Wien

Die lukrativsten Zielgruppen im Detail

1. Expats & internationale Fachkräfte

Profil: 28-45 Jahre, Hochschulabschluss, Einkommen 60.000-120.000€ p.a., oft mit Relocation-Package des Arbeitgebers

Anforderungen:

  • Zentrale Lagen (1.-9. Bezirk bevorzugt)
  • Homeoffice-taugliche Ausstattung (separater Arbeitsbereich, schnelles Internet)
  • Internationale Ausstattungsstandards (Geschirrspüler, Waschmaschine in der Wohnung)
  • Flexible Vertragslaufzeiten (12-24 Monate, oft mit Verlängerungsoption)

Zahlungsbereitschaft: 25-40% über lokaler Vergleichsmiete

2. Wochenpendler & Projektmitarbeiter

Profil: 30-55 Jahre, Führungskräfte oder Spezialisten, Hauptwohnsitz außerhalb Wiens

Anforderungen:

  • Pragmatische, pflegeleichte Ausstattung
  • Gute Verkehrsanbindung (U-Bahn-Nähe)
  • All-inclusive-Miete (Betriebskosten, Internet, GIS pauschal)
  • Minimalistische, aber vollständige Einrichtung

Zahlungsbereitschaft: 20-30% über lokaler Vergleichsmiete

3. Studenten & Young Professionals (Nische mit Potenzial)

Profil: 22-30 Jahre, internationale Masterstudierende oder Berufseinsteiger

Anforderungen: Kompakte, funktionale Lösungen (Mikroapartments), WG-taugliche Ausstattung, Budget-freundliche All-in-Mieten

Zahlungsbereitschaft: 15-25% über lokaler Vergleichsmiete (aber höhere Fluktuation)

Wie Möblierung den Immobilienwert konkret beeinflusst

Der Zusammenhang zwischen Möblierung und Marktwert ist nicht direkt, sondern läuft über den Ertragswert:

Bewertungslogik vereinfacht:

Höhere Miete (durch Möblierung)
Höherer Jahresertrag
Höherer Ertragswert (bei Kapitalanlegern)
Höherer Verkehrswert (gewichtetes Mittel aus Ertrags- und Sachwert)

Rechenbeispiel: 65m² Altbau, 7. Bezirk

UnmöbliertMöbliertDifferenz
Nettomiete/Monat€1.100€1.450+€350 (+32%)
Jahresertrag (netto)€13.200€17.400+€4.200
Ertragswert (bei 4% Rendite)€330.000€435.000+€105.000

Wichtig: Diese Rechnung gilt nur, wenn die höhere Miete nachhaltig erzielbar ist. Kurzfristige Aufschläge bei hoher Fluktuation können den Wert auch mindern (Verwaltungskosten, Leerstand, Abnutzung).

Rechtliche Rahmenbedingungen in Österreich

Die Möblierung unterliegt strengen Regeln – vor allem im geförderten und Altbau-Segment:

1. Mietrechtsgesetz (MRG): Möbelmiete vs. Raummiete

Bei Vollanwendung des MRG (typisch bei Altbauten vor 1945):

  • Die Raummiete ist durch Kategorie- oder Richtwertmiete gedeckelt
  • Zusätzlich dürfen Sie eine Möbelmiete verlangen (= Abschreibung auf Anschaffungskosten über Nutzungsdauer)
  • Diese darf nicht überhöht sein (Richtwert: 10-15% der Möbelkosten pro Jahr)
⚠️ Achtung: Bei MRG-Wohnungen können Sie NICHT einfach 30% Aufschlag verlangen. Die Möbelmiete muss kalkulatorisch nachvollziehbar sein. Überhöhte Forderungen können vor der Schlichtungsstelle angefochten werden.

2. Freier Markt: Vertragsfreiheit nutzen

Bei Neubauten ab 1945 oder Eigentumswohnungen ohne MRG-Anwendung gilt weitgehend Vertragsfreiheit. Hier können Sie Marktpreise verlangen – aber:

  • Transparenz zahlt sich aus: Weisen Sie Möbel- und Raummiete getrennt aus
  • Vermeiden Sie Wucher-Vorwürfe durch marktübliche Aufschläge

3. Befristung & Kündigungsschutz

Möblierte Vermietung ändert nichts am Kündigungsschutz. Aber: Befristete Verträge (üblich bei Expats) erleichtern die Planbarkeit für beide Seiten.

4. Umsatzsteuer bei kurzfristiger Vermietung

Vermietung unter 6 Monaten kann umsatzsteuerpflichtig sein (gilt als "hotelmäßige Vermietung"). Klären Sie das unbedingt mit Ihrem Steuerberater!

Schlafzimmer einer möblierten Wohnung in Wien

Praxistipps: So möblieren Sie wertorientiert

Die goldene Regel: Funktionalität vor Ästhetik

Expats und Pendler suchen kein Designer-Showroom, sondern einen funktionalen Arbeits- und Lebensraum. Investieren Sie in:

  • Stauraum: Kleiderschränke mit Einlegeböden, Kommoden, Regale (IKEA PAX-System bewährt sich)
  • Arbeitsbereich: Schreibtisch (min. 120x60cm), ergonomischer Stuhl, Tageslichtlampe, Steckdosen in Griffweite
  • Küche: Vollausstattung inkl. Kaffeemaschine, Toaster, Mikrowelle, Grundgeschirr für 4 Personen
  • Schlafzimmer: Qualitätsmatratze (Budget: €400-600), Verdunklungsvorhänge, Nachttische mit USB-Anschlüssen
  • Bad: Handtuchhalter, Ablage, Kosmetikspiegel, ev. Wäscheständer (wenn keine Waschmaschine)

Budget-Richtwerte nach Wohnungsgröße

Kategorie40-50m² (1-2 Zi)65-75m² (2-3 Zi)85-95m² (3-4 Zi)
Basic-Ausstattung€4.000-6.000€7.000-9.000€10.000-13.000
Gehoben€6.000-9.000€10.000-14.000€15.000-20.000
Premium€9.000+€14.000+€20.000+

Langlebigkeit rechnet sich

Setzen Sie auf robuste, zeitlose Materialien:

  • Ja: Vollholz-Betten, Leder-/Kunstledersofas, Laminat/Vinyl in Holzoptik, neutrale Farbpalette (Grau, Beige, Weiß)
  • Nein: Pressspan-Billigmöbel, empfindliche Stoffe, trendige Farben, fragile Deko

Kosten-Nutzen-Rechnung: Wann lohnt sich die Investition?

Entscheidend ist die Amortisationszeit der Möblierung über die Mehrmieteinnahmen:

Beispielrechnung: 70m² Wohnung, 8. Bezirk

Investition: €10.000 (gehobene Möblierung)
Mietaufschlag: +€400/Monat (möbliert €1.600 statt €1.200)
Mehrertrag/Jahr: €4.800
Abzüglich Abnutzung/Instandhaltung: -€800/Jahr (ca. 8% der Investition)
Nettoertrag/Jahr: €4.000

→ Amortisation nach 2,5 Jahren
Ab dann: reiner Mehrertrag, der den Immobilienwert steigert

Wann Sie NICHT möblieren sollten:

  • Bei sehr niedrigen Basismieten (Aufschlag absolut zu gering)
  • In Randlagen ohne Zielgruppen-Nachfrage
  • Bei geplanter Eigennutzung innerhalb von 3 Jahren
  • Wenn Sie keine Verwaltungskapazität für häufigere Mieterwechsel haben

Die 5 häufigsten Fehler – und wie Sie sie vermeiden

❌ Fehler 1: Persönlicher Geschmack statt Zielgruppenorientierung

Problem: Eigentümer richten nach eigenem Stil ein – oft zu individuell für breite Vermietbarkeit
Lösung: Recherchieren Sie erfolgreiche Airbnb-Listings in Ihrer Lage. Neutralität siegt.

❌ Fehler 2: Fehlende Homeoffice-Tauglichkeit

Problem: Kein separater Arbeitsplatz – KO-Kriterium für 70% der Expats
Lösung: Auch in 1-Zimmer-Wohnungen: Schreibtisch + Raumtrenner = Pflicht

❌ Fehler 3: Intransparente Preisgestaltung

Problem: Pauschale "Möblierungszuschläge" ohne Kalkulation – anfällig für rechtliche Anfechtung
Lösung: Dokumentieren Sie Anschaffungskosten, rechnen Sie Möbelmiete transparent aus

❌ Fehler 4: Übermöblierung

Problem: Zu viele Möbel = weniger Bewegungsfreiheit, höhere Reinigungskosten
Lösung: Weniger ist mehr. Essentials reichen: Bett, Sofa, Tisch, Schrank, Schreibtisch.

❌ Fehler 5: Keine professionelle Fotografie

Problem: Handy-Schnappschüsse schrecken zahlungskräftige Mieter ab
Lösung: Investieren Sie €300-500 in professionelle Fotos. Diese 5% der Möblierungskosten entscheiden über 50% der Anfragen.

Fazit: So gehen Sie jetzt konkret vor

Möblierte Vermietung ist kein Selbstläufer, aber bei richtiger Umsetzung ein kraftvolles Instrument zur Wert- und Ertragssteigerung. Folgen Sie diesem 5-Schritte-Plan:

  1. Zielgruppe definieren: Wer wohnt realistisch in Ihrer Lage? (Expat-Hub vs. Pendler-Quartier vs. Studenten-Viertel)
  2. Rechtslage klären: MRG-Anwendung? Steuerliche Implikationen? → Gespräch mit Anwalt/Steuerberater
  3. Budget kalkulieren: Möblierungskosten vs. realistische Mietaufschläge → Amortisationsrechnung
  4. Funktional einrichten: Checkliste abarbeiten, Langlebigkeit priorisieren, neutral gestalten
  5. Professionell vermarkten: Hochwertige Fotos, präzise Beschreibung, Plattformen wie WillhabenPro / ImmobilienScout nutzen
✅ Nächster Schritt: Lassen Sie den aktuellen Marktwert Ihrer Immobilie ermitteln – sowohl unmöbliert als auch mit Möblierungs-Szenario. So treffen Sie Ihre Entscheidung auf Basis harter Zahlen.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ja – indirekt über den Ertragswert. Höhere, nachhaltig erzielbare Mieten führen zu einem höheren Ertragswert, der bei der Verkehrswertermittlung einfließt. Voraussetzung: Die Mehrmiete übersteigt die Möblierungskosten über einen längeren Zeitraum, und die Vermietung ist stabil (niedriger Leerstand, moderate Fluktuation).

Das hängt von Lage, Zielgruppe und rechtlichem Rahmen ab. Faustformel am freien Markt: 20-35% Aufschlag. Bei MRG-Wohnungen: Nur kalkulatorische Möbelmiete (10-15% der Anschaffungskosten pro Jahr). Wichtig ist Marktbeobachtung: Was zahlen Expats in Ihrer Gegend tatsächlich?

Die drei häufigsten: (1) Überhöhte Möbelmiete bei MRG-Wohnungen → anfechtbar. (2) Umsatzsteuerpflicht bei Vermietung unter 6 Monaten → Steuerberater einschalten. (3) Fehlende Abgrenzung zwischen Raum- und Möbelmiete im Vertrag → Beweislast-Problem bei Streit.

Bedingt. In Außenbezirken mit guter Verkehrsanbindung (z.B. 10., 11., 21. Bezirk nahe U-Bahn) gibt es Nachfrage von Pendlern und preisorienterten Expats. Der Mietaufschlag fällt aber geringer aus (15-25% statt 30-35%). Rechnen Sie durch, ob sich die Investition amortisiert.

Möbel gehören Ihnen als Eigentümer, nicht dem Mieter. Bei Verkauf können Sie sie: (1) dem neuen Eigentümer mitverkaufen (Wertaufschlag vereinbaren), (2) privat verkaufen/spenden, oder (3) einlagern und in einer anderen Immobilie nutzen. Tipp: Dokumentieren Sie Zustand und Wert bei jedem Mieterwechsel (Übergabeprotokoll mit Fotos).

Lebensdauer variiert: Hochwertige Vollholzmöbel halten 10-15 Jahre, IKEA-Standardware 5-7 Jahre, Matratzen sollten alle 5-8 Jahre getauscht werden. Kalkulieren Sie 8-10% der Anschaffungskosten pro Jahr für Reparatur/Ersatz ein. Ein Möbel-Erneuerungsfonds hilft, größere Ausgaben zu planen.

Ihre normale Vermieter-Haftpflicht deckt meist nur das Gebäude, nicht das Inventar. Prüfen Sie: (1) Haushaltsversicherung für Möbel (Eigentümer als Versicherungsnehmer), (2) erweiterte Vermieter-Police mit Inventarschutz. Kosten: ca. €150-300/Jahr – oft über höhere Miete refinanzierbar.

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Über den Autor

Michael Oladeinde ist Immobilienbewertungs-Experte und Gründer von immorechner24.at. Mit über 10 Jahren Erfahrung in der Wiener Immobilienbranche unterstützt er Eigentümer bei fundierten Bewertungs- und Vermietungsentscheidungen.

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